„Welt kompakt? – Out of Brazil“

„WELT KOMPAKT?  - Out of Brazil“, kuratiert von Ursula Maria Probst zeigt mehr als 30 künstlerische Positionen aus Brasilien und Österreich und befasst sich mit Praktiken, die durch den direkten Zugang zu Informationen und Kommunikationstools zur Anwendung gelangen. Der Gebrauch von Social Media-Kanälen wie Instagram und Facebook verändert unser Empfinden von Nähe und Ferne, unser Bewusstsein von Intimität und Distanz, von körperlicher Präsenz, Absenz und politischer Mobilität. Kollektive Arbeitsformen und das Engagement für politische, soziale und ethnische Fragen sind das zentrale Anliegen aller  teilnehmenden KünstlerInnen.

Welchen Einfluss haben soziale Medien auf die Gestaltung sogenannter „glocaler“ (global & local) Projekte und Lebensmodelle? Wie wirken sich Soziale Medien auf Prozesse der Meinungs- und Entscheidungsfreiheit sowie auf die Demokratisierung von Wissens- und Informationstransfers aus?

„Das Volk wird so lange protestieren bis es wieder eine demokratisch gewählte Regierung gibt!“ – Copacabana, Karneval, Amazonas, Fußball WM, die Besetzung der Favelas während der Olympiade durch das Militär – derzeit ist die öffentliche Wahrnehmung von Brasilien in der Welt durch die politische und ökonomische Situation geprägt: Proteste, Massendemonstrationen, Gewaltausschreitungen und der Kampf der indigenen Bevölkerung für ihr Land. Die in der Ausstellung vertretene brasilianische KünstlerInnen-Generation ist von diesen rasanten Entwicklungen drastisch betroffen.

„WELT KOMPAKT? – Out of Brazil“ stellt Bezüge zu historischen Verbindungslinien zwischen Österreich und Brasilien her, knüpft an postkoloniale Diskurse an und erweitert diese um aktuelle künstlerische Strategien und Kommunikationsformen, die sich aufgrund der Einwirkung sozialer Medien ergeben.

Kuratorin Ursula Maria Probst hinterfragt dabei das Verhältnis derzeitiger künstlerischer Produktionen zu Genealogien kultureller und medialer Aneignungsprozesse. Die gezeigten Arbeiten befassen sich mit der  Demokratisierung und  Rückführung von Kunst ins alltägliche Leben. Zum Teil dekontextualisieren sie auch die Methoden des „Neoconcretismo“, der geometrischen Abstraktion der 1960er Jahre mit ihren bedeutenden VertreterInnen Hélio Oiticica und Lygia Clark.

Historisch nimmt die Ausstellung auf das 200-jährige Jubiläum der Landung der habsburgisch-österreichischen Erzherzogin Maria Leopoldine in Rio de Janeiro, das 2017 begangen wird, Bezug. Dort fand dazu eine Großausstellung kuratiert von Luis Carlos Antonelli, Paulo Herkenhoff und Solange Goday  statt. Bis heute gilt Leopoldine als eine der wichtigsten Schlüsselfiguren im Emanzipationsprozess Brasiliens. Sie holte Wissenschaftler ins Land und forschte  selbst. 1822 verkündete ihr Ehemann Don Pedro die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal. Aus Anlass der Verheiratung von Leopoldine wurde 1817 eine Expedition von Wien nach Rio de Janeiro  entsandt. In Wien wurde ein „Brasilanum“ errichtet.

Im 20. Jahrhundert begannen künstlerische Avantgarden Brasiliens die koloniale Vergangenheit zu thematisieren. In den 1930er Jahren entstand in  Brasilien eine politische Gruppierung, die sich als „Antropofagia“, Menschenfresser, bezeichnete und sich dabei auf eine Urangst der portugiesischen Eroberer im 16. Jahrhundert bezog, die von diesen als Vorwand für ihr brutales Ausrotten der indigenen Bevölkerung herangezogen wurde. Die „Antropofagia“ entstand als Antwort auf eine Kultur, die Brasilien zu einer Identifikation mit der europäischen Kultur zwang, als Protest gegen Unterwürfigkeit gegenüber Kolonialmächten und den Katholizismus, die sich aber auch in Widersprüche verstrickte.

KünstlerInnen:
Elke Auer & Esther Straganz (AUT), Lucas Bambozzi* (BRA), Fabiane M. Borges* (BRA), Marie Carangi* (BRA), Libidiunga Cardoso (BRA), Simone Carneiro (AUT/BRA), Pêdra Costa (BRA), Kadija de Paula & Chico Togni* (CAN/BRA), Giovanna Graziosi Casimiro (BRA), Miss G (a.k.a. Giorgia Conceição)* (BRA), Silvio De Camillis Borges* (BRA), Caetano Carvalho* (BRA), Maya Dikstein* (BRA/ISR), Ines Doujak (AUT), Fabiana Faleiros* (BRA), Female Obsession (GBR), Anna Jermolaewa (RUS), Jamie Lauriano (BRA)*, Daniel Lie* (BRA),  Roberta Lima (BRA/AUT),  MARSSARES* (BRA), Christian Kosmas Mayer (GER), Thais Medeiros* (BRA), Denise Palmieri (BRA), Dudu Quintanilha* (BRA), Camilla Rocha Campos* (BRA), Luiz Roque* (BRA), Juliana dos Santos (BRA), Axel Stockburger (GER), Giseli Vasconcelos* (BRA), Antoinette Zwirchmayr (AUT) u.a.
*Artist-in-Residence des Q21/MQ

Kuratorin: Ursula Maria Probst

Venue

MuseumsQuartier Vienna

frei_raum Q21 exhibition space
Museumsplatz 1
1070 Wien

Current Dates

  • Tue. 22 Aug 2017, 1 p.m. - 8 p.m.
  • Wed. 23 Aug 2017, 1 p.m. - 8 p.m.
  • Thu. 24 Aug 2017, 1 p.m. - 8 p.m.
  • Fri. 25 Aug 2017, 1 p.m. - 8 p.m.
  • Sat. 26 Aug 2017, 1 p.m. - 8 p.m.
  • Sun. 27 Aug 2017, 1 p.m. - 8 p.m.
  • Tue. 29 Aug 2017, 1 p.m. - 8 p.m.
  • Wed. 30 Aug 2017, 1 p.m. - 8 p.m.
  • Thu. 31 Aug 2017, 1 p.m. - 8 p.m.
  • Fri. 01 Sep 2017, 1 p.m. - 8 p.m.
All dates

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September

  • Sat. 02 Sep 2017, 1 p.m. - 8 p.m.
  • Sun. 03 Sep 2017, 1 p.m. - 8 p.m.