"Astverwirrungen" - Fotos von Franz Kircher

„Ich habe Bäume, verstümmelte Bäume, wilde Bäume und Äste mit Linien auf hellem Grund aufgenommen. Die Linienbilder sind oft ungeordnet, chaotisch oder zerfahren. Das kommt von einem psychischen Problem, das mit dem Begriff Double- bind bezeichnet wird. Das Double- bind- Problem entsteht, wenn Kinder in der Erziehung widersprüchlichen oft widersprechenden Forderungen ausgesetzt werden. Ein Beispiel für den doppelten Charakter von einer Handlung, die in sich widersprüchlich ist, ist wenn man bei Zustimmung zu einer Handlung eine Ohrfeige erhält. Damit ist gemeint, dass man ermuntert wird ausgelassen zu sein und zu lachen und, bevor das Gesicht nüchtern wird auf Grund eines plötzlichen Einwands: „Jetzt bist du aber ruhig!“, einem ins Gesicht geschlagen wird. Wenn nicht die notwendige Zeit gegeben wird, die das Abklingen möglich macht, dann ist der andere Zustand, jener der Ernüchterung, nicht nachvollziehbar. Es gibt dann zwei Botschaften, die sich widersprechen und ausschließen: ich lieb dich und ich hasse dich. Es ist somit von vornherein nicht mehr zu wissen, ob Zuneigung nicht Ablehnung bedeutet. Man kann daher bei Zuneigung Ablehnung nicht mehr ausschließen. Die Unmöglichkeit und Unausweichlichkeit sind das, worum es geht. Was man verstehen muss ist, dass das Verhalten nicht eindeutig ist. Bei einem bissigen Hund wird man grundsätzlich vorsichtig sein. Der Unterschied dazu ist, dass man bei dem geschilderten Beispiel nicht voraussehen kann, wann  und dass man eine Ohrfeige erhält. Aus Vorfällen wie diesen ergibt sich für den Betroffenen ein Bild der Unberechenbarkeit, das er in neue Situationen mit Menschen hineininterpretiert. Es ist nicht absehbar, dass eine Situation nicht in Ablehnung umkippen kann, und dass alle Korrektur nichts nützt, sodass es zu einer neuerlichen beschuldigenden Auslegung mit schlimmen Folgen kommen kann. Die Verwirrung, die daraus entsteht zeigt sich in der Verwirrung der Äste, die ich festgehalten habe.Ich habe die Äste betrachtet, als seien sie von jemandem gemalt worden. Die Bewegung, die der Maler ausführt, ist in den Linien enthalten und für die Interpretation wichtig, auch wenn es in Wirklichkeit nur Äste sind. So betrachtet stellt sich eine Beziehung zum abstrakten Expressionismus her (action painting).“      

Franz Kircher

Venue

Galerie Zebra

Burggasse 46
1070 Wien

Current Dates

  • Wed. 29 Mar 2017, 9 a.m. - 12:30 p.m.
  • Wed. 29 Mar 2017, 1:30 p.m. - 5:30 p.m.