Mood Swings – Über Stimmungspolitiken, Sentiment Data, Market Sentiments und andere Sentiment Agencies

Nicht Fakten sondern Stimmungen bestimmen mehr und mehr Sichtweisen, Entscheidungen und Handlungsweisen. Stimmungsdaten wiederum sind begehrtes Objekt der Analyse, Emotionen werden quantifiziert und simuliert. Die Ausstellung „Mood Swings – Über Stimmungspolitiken, Sentiment Data, Market Sentiments und andere Sentiment Agencies“ im frei_raum Q21 exhibition space/MuseumsQuartier Wien, kuratiert von Sabine Winkler, thematisiert Stellenwert und Wirkungsradius von Sentiments in Politik, Wirtschaft, Technologie, Medien und Kunst.

In unserer postfaktischen Zeit werden Realitäten zunehmend über Stimmungen erzeugt. „Mood Swings“ untersucht den Einflussbereich von Stimmungen vor allem im Kontext der im Moment zu beobachtenden gesellschaftspolitischen Umbrüche. Mit zunehmender Komplexität steigt die Schwierigkeit politische, finanzökonomische und technologische Prozesse sowie die ihnen inhärenten Paradoxien zu verstehen. Inszenierungen werden als authentisch wahrgenommen, Datenauswertungen als Faktum ausgelegt, finanzökonomische Interessen als politikbestimmende Notwendigkeit akzeptiert, „soziale“ Medien als sozial missverstanden.

Die Schau geht der Frage nach, wie und warum Stimmungen analysiert, generiert und instrumentalisiert werden, was damit bezweckt wird, wie sich Stimmungen in Netzwerken verselbstständigen und selbst zum „Akteur“ werden können. Einerseits wird über Stimmungen Wahl-, Investitions- und Kaufverhalten beeinflusst, wobei soziale Medienkanäle oftmals als Verstärker fungieren. Andererseits werden Emotionen für Data-Mining und Affective Computing Prozesse quantifiziert, um emotionale Reaktionen für private, marketingstrategische und kriminalistische Zwecke auszuwerten oder um Computer/Roboter gefühlvoller zu machen.

Die in der Ausstellung gezeigten künstlerischen Arbeiten befassen sich mit manipulativen Techniken ideologischer Stimmungspolitiken, beschäftigen sich mit dem emotional geführten Kampf um Definitionshoheit zwischen Realität und Fiktion, analysieren Einflussnahme und Auswirkung von Stimmungen an den Finanzmärkten oder setzen sich mit technischen Entwicklungen auseinander, die über Emotionsanalysen direkten und indirekten Einfluss auf menschliche Verhaltensweisen, Vorstellungen und gesellschaftliche Beziehungen nehmen. Vor dem Hintergrund des Revivals autoritärer Strukturen ist die Stimmungsanalyse als eine Form von Ideologiekritik zu verstehen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Venue

MuseumsQuartier Vienna

frei_raum Q21 exhibition space
Museumsplatz 1
1070 Wien

Current Dates

  • Fri. 26 May 2017, 1 p.m. - 8 p.m.
  • Sat. 27 May 2017, 1 p.m. - 8 p.m.
  • Sun. 28 May 2017, 1 p.m. - 8 p.m.