Metro Kinokulturhaus

DIE STADT OHNE Juden / Muslime / Flüchtlinge / Ausländer

Die Stadt ohne Juden nannte Hugo Bettauer 1922 seinen Roman, der die damals noch utopische Vorstellung einer Vertreibung der Juden aus Wien beschrieb. Die Verfilmung durch Regisseur Hans Karl Breslauer war 1924 bereits von Störaktionen der Nationalsozialisten begleitet, 1925 wurde Bettauer von einem Nationalsozialisten erschossen. Der Aufstieg der NSDAP in Österreich mit Mitteln des Terrors mündete im sogenannten Anschluss 1938. Was folgte, war die Vertreibung und Ermordung der mitteleuropäischen Juden im Holocaust. Heute wird Bettauers Satire daher oft als Prophetie gelesen, die sie nie war.

Die Ausstellung DIE STADT OHNE begleitet die Veröffentlichung der in Paris neu aufgefundenen, restaurierten Version des Stummfilms. Ausgehend von einzelnen Filmszenen setzt sie sich mit Ausschlussmechanismen in der Gesellschaft damals und heute auseinander und zeichnet dabei die einzelnen Stufen des Ausgrenzungsprozesses von der Polarisierung der Gesellschaft bis zum endgültigen Ausschluss der geschaffenen Sündenböcke nach. Diese Entwicklung wird nicht nur in den 1920er- und 1930er-Jahren nachgezeichnet, in denen die Antisemiten nach dem Ausschluss der Juden schrien, sondern bis zur Gegenwart erzählt, in der wieder agitiert wird: gegen Ausländer, Muslime oder Flüchtlinge. DIE STADT OHNE stellt damit die Frage, ob und inwiefern die gesellschaftliche Polarisierung während der Jahre des Aufstiegs des Nationalsozialismus mit jener unserer Gegenwart verglichen werden kann, soll oder sogar muss.

Im Film kehrten die Juden wieder nach Wien zurück, die historische Realität sollte aber anders aussehen. Von der Utopie Bettauers und des Films wendet sich die Ausstellung den tatsächlichen historischen Folgen des Ausschlusses der Juden, der Schoa, zu. Mit ihrer Anbindung an die Gegenwart versteht sich DIE STADT OHNE nicht nur als historische Ausstellung, sondern als Beitrag, gesellschaftliche Dynamiken auch heute zu hinterfragen.

Veranstaltungsort

Metro Kinokulturhaus

Johannesgasse 4
1010 Wien

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