Dominik Lang: „Girl with pigeon and its copies“

Betrachtet man Dominik Langs Entwicklung von seiner bahnbrechenden Arbeit Sleeping City, die 2011 bei der 54. Biennale von Venedig gezeigt wurde, bis zu A Girl with a Pigeon, die 2015 im Monash University Museum of Art in Melbourne zu sehen war, fällt einem ein veränderter Umgang mit dem Nachlass seines Vaters, Jiří Lang, auf. Im Zentrum beider Projekte steht eine Skulptur: Jiří Langs modernistisches Werk aus den späten 1950er-Jahren, A Girl with a Pigeon. Jede der Installationen verfolgt aber einen anderen Ansatz im Umgang mit diesem Werk. In Venedig hatte der Künstler Fragmente der Skulptur seines Vaters in zwei Schaukästen ausgestellt. Wenn man die Installation aus einem bestimmten Winkel betrachtete, war es, als ob man das Werk in seiner Ganzheit sehen würde. In der Ausstellung in Melbourne fügte er die zwei Teile zusammen und präsentierte sie in einem Schaukasten, der diesmal offen war (zuvor waren die Schaukästen geschlossen), damit die Figur des Mädchens in den Raum hinaustreten konnte. Das Mädchen betrachtet die Taube aus einer Distanz. Es füttert sie. Es sucht den Vogel, als er sich unter dem Dach versteckt. Das Mädchen und die Taube sitzen sich an einem Tisch gegenüber. Sie schlafen gemeinsam auf einem Bett ein. Die im Originalwerk sitzende Figur des Mädchens wurde als Vorlage verwendet,um mehrere Gipsabdrücke in unterschiedlichen Positionen und mit verschiedenen Gesten herzustellen. Wir sehen das Mädchen sitzend, stehend, kniend, liegend. Wir betrachten es mit herabhängenden Armen, mit einer Hand hinter seinem Rücken, an einen Tisch gestützt, gegen eine Wand gelehnt. Oft sind die Abdrücke in Teile zerlegt: Die Hand, auf die das schlafende Mädchen seinen Kopf gelegt hat, ist in drei Teilen gebrochen, und sogar die Figur, die scheinbar natürlich aufrecht steht, hat einen tiefen Riss in ihrem Bauch – eine Folge des „Zurechtbiegens“. Die trostlose, todgeweihte Aura des Mädchens mit der Taube und die verschiedenen Abdrücke scheinen sich auf paradoxe Weise zu ergänzen. Auf den ersten Blick erinnert uns die Wiederholung und die räumliche Isolation der Gipsfiguren vielleicht an minimalistische Arbeiten aus den 1960er-Jahren. Obwohl uns Lang figurative Arbeiten und keine „spezifischen Objekte“ zeigt, hat deren Bedeutung, wie im Minimalismus, eine nach außen gerichtete Neigung und wird von den BetrachterInnen mitgestaltet.
Text: Karel Císař / Übersetzung: Mandana Taban

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