Wuthering Heights | William Wyler

Ein zweites Leben. Thema und Variation im Film

Im Rahmen der Viennale 2016

Bekanntlich ist ja alles schon mal da gewesen. Geschichte wiederholt sich. Ob nun als Tragödie oder als Farce oder einfach nur so. Immer wieder und überall heißt es: Zurück auf Anfang. Nochmal von vorn. Zweite Chance. Neuer Versuch. Was für ein Glück! So bleibt alles in Bewegung, bleibt frei flottierendes Spiel der Elemente und hält die Möglichkeit offen, dass alles eigentlich auch ganz anders sein könnte oder dermaleinst sein wird.

Dass es zum Beispiel nicht ums Geld geht, das sich mit der aufgemascherlten Neuverfilmung eines liebgewonnenen alten Films verdienen lässt, sondern darum, einer nachgewachsenen Generation eine Geschichte zu überliefern: David gegen Goliath in SHICHININ NO SAMURAI von Kurosawa Akira (1954) und THE MAGNIFICENT SEVEN von John Sturges (1960). Oder eine Figur weiterzugeben: Billiardspieler Eddie Felson in Robert Rossens THE HUSTLER (1961) und Martin Scorseses THE COLOR OF MONEY (1986). Oder ein Gefühl zu transportieren: Rache in SHURAYUKIHIME von Fujita Toshiya (1973) und Quentin Tarantinos KILL BILL: VOL.1 (2003). Oder ein Thema wiederaufzugreifen: Standesdünkel in Douglas Sirks ALL THAT HEAVEN ALLOWS (1956), Rainer Werner Fassbinders ANGST ESSEN SEELE AUF (1974) und Todd Haynes‘ FAR FROM HEAVEN (2002). Und dass es in diesem Zusammenhang dann darum geht, dieser Geschichte oder Figur, diesem Gefühl oder Thema eine weitere Facette abzugewinnen, sie fruchtbar zu machen für die Gegenwart – oder einen geänderten Kontext.

In diesem Sinne widmet sich die diesjährige Retrospektive von Viennale und Österreichischem Filmmuseum keinem Thema, sondern vielen. Sie widmet sich Themen und ihren Variationen im Film, von damals bis heute, quert die Genres, kreuzt die Kontinente, und klopft unterwegs ein paar Begriffe auf ihren Gehalt wie auf ihre Brauchbarkeit hin ab. Dabei gilt es, hinter das merkantilistisch geprägte Vokabular des zeitgenössischen Mainstream-Kinos zu kommen, hinter Worten wie „Remake“, „Sequel“, „Prequel“, „Reboot“ und „Spin-off“ zum Stoff, seiner (Bedeutungs-)Fülle und den vielfältigen Möglichkeiten seiner Bearbeitung vorzudringen.

Denn schon das vermeintlich einfache Nocheinmal-Erzählen gewinnt schnell an Komplexität, denkt man an Alfred Hitchcock, der über seinen Film THE MAN WHO KNEW TOO MUCH aus dem Jahre 1934 urteilte, der sei das Werk eines talentierten Amateurs gewesen, und ihn also 1956 kurzerhand erneut drehte. Und was zum Beispiel geschieht, wenn ein Stoff aus dem einen Kulturkreis in einen anderen transferiert wird? Wie sieht es aus, wenn ein japanischer Klassiker (YOJIMBO, Kurosawa, 1961) als Meilenstein des Italowestern wiederaufersteht (PER UN PUGNO DI DOLLARI, Sergio Leone, 1964)? Und was hat eine Wegmarke des US-amerikanischen Independent-Kinos (MILLER’S CROSSING, Gebrüder Coen, 1990) mit den beiden Vorgänger-Filmen zu tun? Währenddessen stellt sich auf dem weiten Feld der Literaturverfilmung, genauer, dem der zahlreichen filmischen Adaptionen von Emily Brontës ruppigem Liebesroman „Wuthering Heights“ (1847) weniger die Frage, ob Buch oder Film „besser“ sei, als vielmehr die, welche Verfilmung auf welche Weise welchem Aspekt der Vorlage gerecht(er) wird. Überlegen lässt sich dies nun anhand von WUTHERING HEIGHTS (William Wyler, 1939), ABISMOS DE PASIÓN (Luis Buñuel, 1953) und HURLEVENT (Jacques Rivette, 1985).

Es versteht sich, dass die für diese Schau getroffene Auswahl insgesamt subjektiv ist und repräsentativ nur sein kann im Hinblick auf ihre Funktion: ein Filmkorpus anzubieten, anhand dessen Strategien des Erzählens in motivgeschichtlichen, (film-)historischen und geografischen Kontexten bedacht werden können – schließlich ist die siebente Kunst der Mythenmotor der Moderne und keine kapitalistische Franchise-Fabrik. (Alexandra Seitz)

ROMEO UND JULIA IM SCHNEE 1920, Ernst Lubitsch
ROMEO UND JULIA AUF DEM DORFE 1941, Hans Trommer, Valerien Schmidely

FAUST: EINE DEUTSCHE VOLKSSAGE 1926, F.W. Murnau
THE DEVIL AND DANIEL WEBSTER 1941, William Dieterle

PYSHKA 1934, Michail Romm
STAGECOACH 1939, John Ford

UKIGUSA MONOGATARI 1934, Ozu Yasujiro
UKIGUSA (ABSCHIED IN DER DÄMMERUNG) 1959, Ozu Yasujiro

THE MAN WHO KNEW TOO MUCH 1934, Alfred Hitchcock
THE MAN WHO KNEW TOO MUCH 1956, Alfred Hitchcock

M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER 1931, Fritz Lang
M 1951, Joseph Losey

LA CHIENNE 1931, Jean Renoir
SCARLET STREET 1945, Fritz Lang

THE DIARY OF A CHAMBERMAID 1946, Jean Renoir
LE JOURNAL D’UNE FEMME DE CHAMBRE 1964, Luis Buñuel

WUTHERING HEIGHTS 1939, William Wyler
ABISMOS DE PASIÓN 1953, Luis Buñuel
HURLEVENT 1985, Jacques Rivette

TO HAVE AND HAVE NOT 1944, Howard Hawks
BACALL TO ARMS 1946, Bob Clampett & Arthur Davis, ca. 7 min
THE BREAKING POINT 1950, Michael Curtiz

THE KILLERS 1946, Robert Siodmak
UBIJCY (DIE KILLER) 1956, Andrej Tarkovskij

ANNI DIFFICILI 1948, Luigi Zampa
ANNI FACILI 1953, Luigi Zampa

MESHI (DAS MAHL) 1951, Naruse Mikio
VIAGGIO IN ITALIA 1954, Roberto Rossellini

LE PLAISIR 1952, Max Ophüls

TRAVIATA ’53 1953, Vittorio Cottafavi
LA SIGNORA SENZA CAMELIE 1953, Michelangelo Antonioni

THE RAID 1954, Hugo Fregonese
VIOLENT SATURDAY 1955, Richard Fleischer

SHICHININ NO SAMURAI (DIE SIEBEN SAMURAI) 1954, Akira Kurosawa
THE MAGNIFICENT SEVEN 1960, John Sturges

YÔJIMBÔ (DER LEIBWÄCHTER) 1961, Akira Kurosawa
PER UN PUGNO DI DOLLARI / A FISTFUL OF DOLLARS 1964, Sergio Leone
MILLER’S CROSSING 1990, Ethan Coen & Joel Coen

ALL THAT HEAVEN ALLOWS 1956, Douglas Sirk
ANGST ESSEN SEELE AUF 1974, R.W. Fassbinder
FAR FROM HEAVEN 2002, Todd Haynes

THE HUSTLER 1961, Robert Rossen
THE COLOR OF MONEY 1986, Martin Scorsese

EL CASTILLO DE LA PUREZA 1973, Arturo Ripstein
KYNODONTAS / DOGTOOTH 2009, Yorgos Lanthimos

SHURAYUKIHIME (LADY SNOWBLOOD) 1973, Toshiya Fujita
KILL BILL: VOL. 1 2003, Quentin Tarantino

AIRPLANE! 1980, David Zucker, Jim Abrahams, Jerry Zucker
ZERO HOUR! 1957, Hall Bartlett

ELEPHANT 1989, Alan Clarke
ELEPHANT 2003, Gus Van Sant

CRIME AND PUNISHMENT 1935, Josef von Sternberg
NORTE, HANGGANAN NG KASAYSAYAN (NORTE, THE END OF HISTORY) 2013, Lav Diaz

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